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Hoch die Hände zum Abi-Ende

Hoch die Hände zum Abi-Ende

LANDKREIS. In diesem Jahr gibt es für sie keinen Abi-Streich, keinen Abi-Ball und keine Abi-Fahrt – dafür aber ein großes Corona-Fragezeichen, was jetzt kommt. Gut drauf sind sie trotzdem, die Abiturienten des Jahrgangs 2020.
Sie haben jetzt Abitur: Eileen Fittschen, Alexandra Holste und Aileen Lütjen sind auf dem Sprung in einen neuen Lebensabschnitt. Foto: Richter
„Corona-Abitur – mit Abstand die Besten.“ So steht es auf dem Pullover, den sich die Schülerinnen und Schüler vom diesjährigen Sonderzug am Vincent-Lübeck-Gymnasium bedrucken lassen haben. Es ist eine der wenigen Aktionen, mit denen die jungen Leute sich jetzt noch einmal als Abi-Jahrgang 2020 feiern können.
Der Sonderzug am Vincent-Lübeck-Gymnasium (VLG) wurde eigens eingerichtet, um Schülern zu ermöglichen, trotz der Umstellung vom Abitur nach zwölf Jahren (G 8) auf das Abitur nach 13 Jahren (G 9) im Jahr 2020 ihr Abitur abzulegen. Die meisten Sonderzug-Schüler hatten damals an verschiedenen Realschulen überall im Landkreis ihren erweiterten Realschulabschluss abgelegt. Seit der zehnten Klasse bereiten sie sich gemeinsam auf das Abitur vor. Der Abitur-Pulli wird für sie wohl das einzige klassische Abi-Ritual bleiben. Abi-Streich, Motto-Woche, Abi-Fahrt und Abi-Ball – all das hat das Corona-Virus verhindert. Immerhin: Die Zeugnisse wurden am Freitag in der Schule feierlich übergeben.

Abschluss ohne Abi-Fahrt

Den Abschluss des großen Lebensabschnitts, der jetzt für sie zu Ende geht, begehen die 13 frischgebackenen Abiturienten aber vor allem im Kreise der Familie. „Es ist schon komisch, dass unsere Lehrer uns zum Gratulieren jetzt nicht einmal die Hand geben dürfen“, sagt die 19-jährige Alexandra Holste aus Harsefeld.
Sie hatte sich vor allem auf die Abi-Fahrt gefreut und es sich schön vorgestellt, mit ihren Freunden an einem Ort unbeschwert zu genießen, was sie geschafft haben – Kroatien war angedacht gewesen. Parties feiern sie zurzeit gar nicht, berichten ihre Mitschülerinnen Eileen Fittschen und Aileen Lütjen: „Wegen Corona fühlt sich das einfach nicht richtig an.“ Auch größere Reisen oder Auslandsaufenthalte, die manche aus ihrem Jahrgang nach dem Abitur geplant hatten, fallen aus.
Was den zeitlichen Ablauf angeht, haben die Schüler an den Beruflichen Gymnasien, an den Gesamtschulen und an den Waldorfschulen sich nicht umstellen müssen: Bei ihnen wäre das Abitur nach 13 Jahren ohnehin regulär dran gewesen. An den meisten klassischen Gymnasien in Niedersachsen ist durch die Umstellung aber ein Jahrgang ausgefallen. Genau drei Schüler haben an der Halepaghen-Schule in Buxtehude jetzt ihr Abitur abgelegt, weil sie die Prüfung wiederholen mussten oder im Vorjahr nicht zugelassen wurden. Sie wurden in der zwölften Klasse mitbetreut, aber mit individuell zugeschnittenem Lernpensum.

Studium im Online-Unterricht?

Die 18-jährige Eileen Fittschen aus dem Sonderzug am VLG, die in Apensen wohnt, will jetzt an der Hochschule 21 in Buxtehude Bauingenieurwesen Dual studieren – ob digital oder vor Ort sei noch nicht klar. Zudem stellt sich jetzt heraus, dass die Hochschule 21 wegen der Umstellung von G 8 auf G 9 zwar einen sehr kleinen Jahrgang erwartet hatte. Aber weil Auslandsaufenthalte aufgrund der Corona-Situation jetzt ausfallen, werde der Jahrgang wohl doch überraschend groß ausfallen. Eileen Fittschen hat für ihr duales Studium immerhin schon eine Praxisplatz-Zusage von der Firma Otto Wulff. Bei der Hochschule 21 steht sie noch auf der Warteliste, aber immerhin ganz oben: „Ich habe gute Aussichten.“
Die 19-jährige Aileen Lütjen aus Ahlerstedt will BWL studieren, am liebsten in Hamburg, Kiel, Flensburg oder Lüneburg. Eine Woche hat sie jetzt noch Zeit für die Uni-Bewerbungen. Ob die Universitäten nach der Sommerpause weiterhin Online-Unterricht geben, ist aber auch noch nicht klar. Sie hofft sehr, dass es Präsenzveranstaltungen gibt, vor allem für die Erstsemester. Das würde das Ankommen in der neuen Stadt und das Kennenlernen der Kommilitonen erleichtern.

Kurz vor den Prüfung ging es zurück in die Schule

Als der Lockdown im März kam, war zuerst unklar, ob das Abitur überhaupt noch geschrieben wird; dann wackelte der Prüfungstermin. Das Lernen lief vor allem im Fernunterricht und selbstständig zu Hause ab. Etwa zwei Wochen haben die Schüler des Sonderzugs vor den Prüfungen noch Präsenzunterricht gehabt.
„Das hat noch viel gebracht“, berichtet Alexandra Holste. Und auch, wenn die Übergabe der Zeugnisse mit Masken und Abstand eine etwas distanzierte Angelegenheit war – sie und ihre Mitschüler freuen sich sehr über ihr Abitur. Nur eben nicht wie andere Jahrgänge laut und übersprudelnd beim Brunnenspringen, sondern eher für sich und im Stillen.
Quelle: Stader Tageblatt vom 11.07.2020